Es ist wieder einmal so weit. Es zieht mich in die Ferne. Wie immer verlasse ich die Schweiz mit einem lachenden und einem weinenden Auge.Kanada ruft. Genauer gesagt Samir mein treuer Weggefährte und das Haus meines Bruders. Ein wunderbarer fleck Erde, an dem ich mich wohlfühle und mich sehr darauf freue. Mehr oder weniger alleine, werde ich vier Monate dort verbringen. Aber beginnen wir mit der Reise.

Meine Mutter brachte mich zum Flughafen. Drop off Zone, schnell verabschieden, alles einpa….. ups wo ist mein Laptop? Kurz nachgedacht, ah ja ich weiss wo. Zuhause auf dem Schreibtisch. Ok, rein ins Auto (meine Mutter wartet am Flughafen, weil Idris gleich noch kommen wird) und ich rase (also nicht wörtlich, sondern wirklich) nach Winti zurück. 30 Minuten später habe ich parkiert und bin bereit zum Einchecken. VIP Begleitservice hatte ich durch Idris bis ans Gate. Nicht schlecht, wenn man so einen Ausweis hat, wo man überall rein- und durchkommt am Flughafen. Danke Mami und Idris.

Zürich – London, schnell, bequem und ohne Komplikationen. Alles im grünen Bereich, bis ich in das Flugzeug nach Calgary einsteige. 80 Franken Zuschlag habe ich bezahlt, um einen Sitz beim Notausgang zu haben, also viel mehr Beinfreiheit. Bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten. Diese hatte deutlich mehr, eine halbe positiv und einige negative. Positiv, ja man hat mehr Beinfreiheit. Negativ:

1. Die Flugzeugtüre kommt so weit in den Gang rein, dass man die Füsse nicht gerade raus strecken kann.
2. Es ist verdammt kalt, die Türe war wohl undicht.
3. Vom Geräuschpegel her hat man das Gefühl, dass man draussen und nicht drinnen sitzt. (danke Bose, das Problem war schnell gelöst)
4. Der Bildschirm ist in der Sitzlehne verstaut. Grösse: super klein, Auflösung: 4 Pixel oder so

Und dann war da noch mein Sitznachbar. Er sass schon, als ich mir den Weg durch den Gang bahnte. Wie ein Pascha hatte er sich breit gemacht. Ein Franzose, wie ich dann später merkte. Ich mach’s kurz, 9 Stunden Flug. Verhältnis der Benutzung der Armlehne zwischen uns: Frankreich 9 : 0 Schweiz. Gut ich hab auch nicht drum gekämpft. Das lag zum einen daran, dass er gefühlt doppelt so gross und sicher doppelt so schwer war wie ich. Zum andern habe ich mir zwei Optionen überlegt. Die erste wäre gewesen zu meckern und zu kämpfen. Die zweite, es als ein Mentales Training anzunehmen, und den Wuuuuusssaaaaaaa move aus Bad boys mit Will Smith zu trainieren. Im Stillen natürlich. Dafür habe ich mich entschieden und es hat ganz gut geklappt. Also Karmabonuspunkte beim Universum: Frankreich 0 : 18 Schweiz (doppelte Punkte, da Meilenaktion).

In Calgary angekommen, hatte ich eine grosse Sorge. Wiederholt sich das Spiel vom Letzen Mal, (siehe diesen BLOG) denn ich blieb ja noch länger? Pokerface aufgesetzt, die wahrscheinlichsten 20 Fragen die kommen können mental vorbereitet und ran an den Schalter.

Kanada: „Where are you coming from?“
Schweiz: „Zürich and London. Living in Switzerland.“
Kanada: „Ok, you’r good.“
Schweiz: ?????? „Thank you.“

Etwas enttäuscht, aber eigentlich heil froh war ich also drin.

Der Flug von Calgary nach Kelowna war super. Ein toller Kanadier, ein 57ig jähriger Ölarbeiter sass neben mir. Es war eine gute Unterhaltung und ich habe wieder viel gelernt. Am Flughafen nahm mich mein Bruder in Empfang und schon waren wir auf dem Weg ins kleine Paradies. Dort wurde ich von den üblichen Verdächtigen und dem kleinen Neuzugang, herzlich empfangen. Marco, der Sohm meines Bruders ist ein richtiger Wonnepfropfen. Ja, ich bin Onkel. Wieder ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, dass man älter wird. Gestern Götti, heute Onkel und morgen Tod. Geniesst das Leben, es geht verdammt schnell.

Die gemeinsamen Tage vergingen wie der Blitz. Spazieren, ein Reh ausnehmen und metzgen, bequem an der Homepage arbeiten und was man sonst noch so tut. Ich fasste noch den Job, den Boden zu erneuern und schon waren Sie auch wieder weg. Knapp einen Monat und 120 Stunden hat es gedauert, bis der Boden fertig war. Die Details erspar ich euch, aber es war wirklich brutal hart (jede Ritze einzeln Auskratzen mit dem Schraubenzieher) und ich war jeden Abend fix und foxy. Er ist gut geworden, denke ich. Wir werden sehen wie zufrieden sie sein werden. Bilder gibt’s nur von der Baustelle, denn das fertige Produkt soll eine Überraschung sein.

Mittlerweile habe ich mich eingerichtet und fühle mich so richtig wohl. Täglich gehe ich mit Samir auf eine kleine Wanderung. Eigentlich immer an denselben Ort, denn die Aussicht ist einfach wunderschön und ich kann nicht genug davon kriegen. Auch die Begegnungen mit Tieren (oder Teilen davon) fehlen nicht. Die Bären sind zwar im Winterschlaf, aber dafür habe ich meinen ersten Kojoten gesehen. Schneemässig habt ihr in der Schweiz ja etwas aufgeholt. Hier sind wir schon vor einigen Wochen mit der weissen Pracht beglückt worden. Das bedeutet auch fleissig Schneeschaufeln, denn die Einfahrt ist sehr steil und rund 100 Meter lang. Es heisst also immer wieder: „Jajaja jetzt wir wieder in die Hände gespuckt……“

Über Weihnachten habe ich ein kleines Experiment mit mir selber gemacht. Habe eine Woche gefastet und geschwiegen. Also keinen Ton gesagt. Das Fasten war noch besser als sonst, da ich ein neues Buch darüber gelesen habe, und es war wirklich genial. So lange zu schweigen war speziell und eine gute Erfahrung. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich hatte das Gefühl klarer zu sein, im Geist und in meinen Gedanken. Sehr speziell und sehr interessant. Ironischerweise habe ich gleichzeitig ein Buch über „die Macht der Disziplin“ gelesen. Jetzt verstehe ich einige Erlebnisse mit Menschen, die ich bisher nicht verstanden habe. Für alle Networker und Salespartner von salessolution.ch, wird es in den nächsten Tagen eine Zusammenfassung auf der Homepage geben. Ein Foto von mir nach dem Fasten (6.5 Kilo weniger) erspare ich euch. Sieht nicht so toll aus mit Bart und abgemagert. Vor allem im Moment, wo diese Folterberichte der CIA durch die Medien geistern.

Was kommt als nächstes. Momentan arbeite ich intensiv an salessolution.ch.  Nach 6 Monaten habe ich auch wieder einige Pokerhände online gespielt. Dazu dann aber mehr in einem Pokerblog. Am 22. Januar bekomme ich den ersten Besuch und freu mich riesig drauf. Das wird sicher lustig. Ihr werdet es dann später hier erfahren.

Nun wünsche ich allen einen guten Rutsch in ein neues Jahr, das voller Energie und Lebensfreude sein möge! Prosit 2015!

Sandro der Pyjamabloger